Soziale Genossenschaft RegioSTAR stärkt die Region
Investition in die eigene Zukunft
Gast-Artikel der RegioSTAR Genossenschaft
“… weil uns die Region am Herzen liegt” – so der Slogan der Sozialen Genossenschaft RegioSTAR eG aus dem Berchtesgadener Land, die 2007 im Sinne der Agenda 21 als Träger für wirtschaftliche Projekte ins Leben gerufen wurde.
Die Genossenschaft übernahm vom ideellen Träger STAR, Verein für organisierte Nachbarschaftshilfe, alle wirtschaftlichen Bereiche. Dazu gehört derzeit das Regiogeld Sterntaler, der Talente-Tauschkreis, sowie die Aktion zur Rettung des Mitterfeldner Dorfladens. Über die wirtschaftliche Relevanz des Regiogeldes gibt die Website www.regiostar.com bereitwillig Auskunft: So sind laut Statistik am 30.06.2009 49.793 Sterntaler in Umlauf. Ein Sterntaler entspricht einem Euro, wobei der Rücktausch in Euro gegen Abschlag möglich ist. Derzeit beteiligen sich 192 Unternehmen und 25 Vereine, wofür 13 Ausgabestellen zur Verfügung stehen.
Gründungsanlass für die soziale Genossenschaft war die Aktion zur Rettung des Dorfladens Mitterfelden: “Wir benötigten mindestens 25 Beteiligungen zu je 300 Euro. Nachdem wir 50 Absichtserklärungen mit 33.000 Euro beisammen hatten, nahmen wir auch noch gleich die wirtschaftliche Abwicklung des Sterntaler-Regiogeldes mit in die Genossenschaft.” Die Gründungskosten beliefen sich auf 5.000 Euro.
In der RegioSTAR Genossenschaft beteiligen sich bereits über 100 Personen mit einer Gesamteinlage von derzeit ca. 70.000 Euro. Laut Satzung strebt die Genossenschaft durch ihr “wirtschaftliches und sozialen Zwecken dienendes Handeln eine nachhaltige Entwicklung des Gemeinwesens” an. Der gemeinschaftliche Geschäftsbetrieb soll regionale Wirtschaftskreisläufe unterstützen und gleichzeitig eine wechselseitige wirtschaftliche Förderung der Mitglieder bewirken.
1. Vorsitzender Franz Galler setzt ganz pragmatisch seine Erfahrungen als Vermögensberater um und stellt dabei fest: “Es gibt einen Megatrend hin zu ethischen Geldanlagen. Immer mehr Menschen wollen wissen, was ihr Geld auf der Bank macht bzw. bestimmen was es nicht machen soll.” Anstatt allerdings echter Alternativen in der Geldanlage ortet der Vermögensberater am Markt “alten Wein in neuen Schläuchen”.
Was kann er also als echte Alternative anbieten? Die Genossenschaft nahm sich die Philosophie von Leopold Kohr zu Herzen. “Alles was Gott vernichten will, schlägt er mit Größe”. So lautet das Motto “gesund schrumpfen” auch in der Geldanlage. Statt anonymer Investments in Wachstumsmärkten irgendwo auf der Welt wird die überschaubare und nachhaltige Geldanlage in der eigenen Region propagiert. Und die definieren die Macher so: “Steig auf einen hohen Berg und soweit du sehen kannst, das ist deine Region. Und versuche dort dein Leben zu gestalten und möglichst Einfluss auf das Wirken deines Geldes zu nehmen!”" Konkret sind es im Berchtesgadener Land rund 100.000 Menschen.
Vorbild Mondragon und Raiffeisen
Wer hier an Kirchturmpolitik denkt – weit gefehlt! Auf der Suche nach Vorbildern schaut die Genossenschaft über ideologische Grenzen ebenso wie über geografische und wurde im nordspanischen Baskenland fündig: Mondragon Corporacion Cooperatiova (MCC) – die größte Genossenschaft der Welt mit 60.000 Mitgliedern und siebtgrößtes Unternehmen Spaniens – besteht seit über 50 Jahren und beeindruckte die Bayern. Die oberste Firmenmaxime lautet: Keine Entlassungen! Ein Firmenmanager darf maximal das Achtfache eines einfachen Arbeiters verdienen – und ein Teil des Gewinns wird an die Mitarbeiter ausgeschüttet und in Form einer betrieblichen Altersversorgung aufgebaut. Aus den Gewinnen fließen im Schnitt 10 % in einen sozialen Topf, 45 % in die Rücklage der Genossenschaft und 45 % in die persönliche Altersvorsorge. Wenn es der Genossenschaft schlecht geht, kann sie allerdings bis zu 70 % aus dem Vorsorgetopf zur Überbrückung entnehmen.”
Das Modell der “automatischen Zellteilung” schauten sich die innovativen Gründer aus dem Südosten Bayerns bei dem Salzburger Leopold Kohr ab (www.tauriska.net), dem Träger des Alternativen Nobellpreises aus der Stille-Nacht-Heilige-Nacht Gemeinde Oberndorf ab, denn auch die Genossenschaft soll nicht zu groß werden. Besser viele und kleinere Einheiten: nur bei kleineren Genossenschaften kann der Einzelne noch persönlich sein Stimmrecht ausüben.
Genossenschafts-Kooperationsring mit regionalen Anlagemöglichkeiten
Die Genossenschaft sieht ein mehrstufiges Modell vor, denn sie versteht sich dabei als Sammel- und Verteilungsstelle für regional investives Kapital von bzw. an Genossenschafts-Mitglieder. D.h. alle Beteiligten müssen selbst Genossenschafts-Mitglieder sein. Die Genossenschaft will sich dabei auf die drei Basis-Investitions-Bereiche Essen & Trinken (Viktualien), Immobilien (Wohnen & Land- und Forstwirtschaft) und Unternehmen für Basis-Dienstleistungen (tägliches Leben & Vorsorge) beschränken. Ausschüttungen an die Investoren soll es in Regiogeld bzw. Waren & Dienstleistungen geben, letztere inflationsgeschützt. Schutz vor Inflation oder Währungskrise soll dabei übliche Renditeerwartungen ersetzen.
Bio-Lebensmittel frisch von der Alm – der SonnenalmGarten macht´s möglich
1. Vorsitzender Franz Galler weiß aus Erfahrung, dass das Klischee der “bösen Reichen” in der Praxis auf die meisten vermögende Menschen nicht zutrifft. Was liegt also näher, als die Möglichkeit zu schaffen, Geld in der Region für alle gewinnbringend anlegen zu können?
Wie das projektbezogen umgesetzt werden kann, zeigt das im 2. Quartal 2009 gestartete Projekt SonnenalmGarten unterhalb der Neubichler Alm (www.neubichler-alm.com, http://sonnenalmgarten.blogspot.com/). Fachmann Walter Krieger aus dem Pinzgau im Salzburger Land, über 15 Jahren weltweit in Permakultur-Projekten unterwegs, baut dort den eigenen Geschäftsbereich “Regionale Selbstversorgung” auf. Das Berchtesgadener Land ist auch hier wieder ein Vorreiter, wenn es um gesunde Ernährung geht.
Walter Krieger brachte die Idee und das know-how ein – in nicht einmal 4 Wochen war das ideale Land gefunden und auch die Finanzierung über Genossenschaftseinlagen für das 1. Jahr gesichert. Ein Hektar jahrzehntelang nachhaltig bewirtschafteter und gesunder Almboden bietet dafür die besten Voraussetzungen, ein solches Vorhaben zu realisieren. Im SonnenalmGarten sollen in den nächsten Jahren ungefähr 1000 verschiedene Obst- und Gemüsesorten, Kräuter und Blumen wachsen. Der Garten soll Vielfalt das ganze Jahr über bieten, um so für die Genossenschaftsmitglieder und Besucher eine ausgewogene dauerhafte Ernährung zu bieten.
Was ist ein Permakultur-Ernteland und wie sieht das aus?
Unter Permakultur versteht man ein nachhaltiges Bewirtschaften des Bodens – ein Planungssystem, das auf Vielfalt setzt und die Kreisläufe der Natur erkennt und danach ihre Handlungen ausrichtet. Das Wachsen und Gedeihen der Pflanzen in Symbiosen ist dabei das offene Geheimnis, das ein Düngen überflüssig macht und starke gesunde Früchte hervorbringt. Unterstützt wird die Aufbereitung des Bodens mit “EM-effektiven Mikroorganismen”, diversen Kräuterjauchen, Urgesteinsmehl und einer Wurmzucht.
Die alten Bauerngärten waren so bewirtschaftet. So wird die Kartoffel z.B. in Partnerschaft mit Bohne und Pfefferminze wachsen. Die Bohne bringt dabei den benötigten Stickstoff in den Boden, der die Kartoffel wachsen lässt. Die Pfefferminze hält nicht nur von beiden die Schädlinge fern, sie verbessert gleichzeitig den Geschmack von Kartoffel und Bohne. Dazu werden noch einige Ringelblumen oder Tagetes gepflanzt, um Nematoden zu verhindern und fertig ist ein perfektes Miteinander. “Midanand” auf gut Bayrisch ist die schönste Antwort auf Monokultur, und regional und saisonal direkt vor der Haustür schmeckt am besten und tut nebenbei der Umwelt gut.
Aufgrund des großen Interesses aus nah und fern bietet Walter Krieger mittlerweile am Wochenende Führungen an. Im Herbst starten Seminare, workshops und Vorträge rund um Permakultur.
Genossenschaft mit klarem Honorierungsmodell
Ethische Grundsätze mit dem Bemühen um eine gerechte Entlohnung verankert das Genossenschafts-Kooperationsmodell auch bei der Mitarbeiter-Honorierung. Hier gibt es keine “Ausbeutung des Ehrenamtes”. Als “ehrenamtliche Mitarbeiter” gelten alle, die bis zu 50 Stunden im Jahr mithelfen. Sie erhalten 5 Euro Einkaufsgutscheine pro Stunde für den eigenen Dorfladen. Diese Regelung gilt auch für alle neuen Mitarbeiter in den ersten Monaten des gegenseitigen Kennenlernens. Bisher wird darüber hinaus nur mit Minijobs (bis 400 Euro) oder Medijobs (von 401 bis 800 Euro) gearbeitet, doch die Genossenschaft hat bereits 15 Mitarbeiter und die ersten Halbtags- oder sogar Vollzeitbeschäftigten dürften noch in diesem Jahr angestellt werden. Ganz egal, ob ehrenamtlich, angestellt oder freiberuflich für die soziale Genossenschaft tätig: die maximale Lohnspreizung ist mit 1:5 gedeckelt, d.h. bei 5 Euro für Ehrenamtstätigkeiten darf der höchste Stundenlohn nicht über 25 Euro liegen. Klar ist auch der Auszahlungsmodus: die ersten 400 Euro werden immer nur in den regionalen Währungen Sterntaler (Gutscheine) oder Talente (Buchgeld) ausbezahlt.
Weitere Informationen sowie Kontaktdaten bietet die Website www.regiostar.com oder unter info@regiostar.com
Hier einige Fotos von den ersten Wochen des Entstehens der Sonnenalm:




Tags: Komplementärwährung, Regionalgeld, RegioSTAR, Sonnenalm
19.Juli 2009 um 22:40 Baerbel
Artikel gespeichert unter: Öko
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bisher 1 Kommentar Eigenen Kommentar schreiben
1. Walter Krieger | 06.August 2009 at 00:25
Liebe Bärbel
Du bist ein Engel. Vielen Dank für Deine Besuche, die schönen Gespräche und den Bericht in Deiner Homepage. Ich hoffe, wir sehen uns bald mal wieder und wünsche Dir eine wundervolle Zeit.
Alles Liebe
Walter
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