Kopfläusefrei – wie geht es am Besten?

Es ist nur ein Thema von vielen, aber das Prinzip ist immer das Gleiche: Man jage dem Bürger Angst ein und mache ihm hinterher Hoffnung: „Wenn du ganz viel Geld ausgibst, dann kannst du gerettet werden…“ (siehe z.B. „Ein medizinischer Insider packt aus“ von Peter Yoda)

Kopfläuse gehen in Kindergärten und Schulen immer wieder um. Bei uns hatte ein großer Teil der Klasse Läuse als die Kinder aus dem Schullandheim kamen. So auch unsere  Kinder. In der Apotheke bekamen wir ein Infoblatt, was zu tun sei:

-         Kopf mit teurem  Läuseshampoo waschen

-         Kuscheltiere 4 Wochen in Plastiksäcke packen

-         Bettwäsche, Kleidung etc. täglich waschen mit teure Läusewaschmittel

-         Alles vom Autositz bis zum Sofa mit teurem Läusemittel besprühen.

Dann fanden wir im Internet: http://www.pediculosis-gesellschaft.de, einen gemeinnützigen Verein zur Aufklärung und Beseitigung von Kopfläusen, informiert.

Daraus möchte ich ein paar sehr spannende Details zusammenfassen, die sämtliche Ratschläfe von oben ins Gegenteil umdrehen und einem obendrei viel Zeit und Geld sparen:

• Eine Kopflaus verhungert und verdurstet ohne Blut innerhalb von drei Tagen. Daraus ergibt sich eine sehr einfache Logik: Sollte eine Kopflaus sich auf Kopfkissen oder Kuscheltiere verirren, dann reicht es selbiges für drei Tage beiseite zu legen, danach sind alle eventuell darauf befindlichen Kopfläuse eh tot. In einer großangelegten Studie in einer läuseverseuchten Grundschule in Australien ist man jedoch zu dem Ergebnis gekommen, dass Läuse den Kopf in aller Regel nicht verlassen. In Ausnahmefällen kann es allenfalls sein, dass eine altersschwache Laus (Läuse leben zirka 30 Tage lang) sich kurz vor dem Tod nicht mehr festhalten kann und in der Nacht vom Kopf fällt.

Sogar 1000 Mützen von Kindern mit Läusen wurden untersucht und man fand keine einzige Laus darin. Der Grund: Im Gegensatz zu mir bisher, wissen die Läuse schon immer, dass sie ohne Blut nicht lange überleben können, sie verlassen daher einen Kopf nur dann, wenn ein anderer Kopf in Reichweite ist. Mützen und Kopfkissen kann man als Überträger von Läusen ausschließen.

• Wenn ich Läuse bei meinem Kind entdeckt habe, wie oft muss ich die Läuse auskämmen? Auch dazu gibt es ein paar spannende Daten über das Leben der Läuse. Sie brauchen 7 – 10 Tage bis sie aus den Eiern schlüpfen. Und danach brauchen sie wieder 7 – 10 Tage um erwachsen zu werden und selbst Eier legen zu können. Eine Babylaus (=Larve) kann noch nicht in den Haaren herumklettern und einen Kopf deshalb auch erst verlassen, wenn sie fast ausgewachsen ist. Übertragbar sind somit nur erwachsene Läuse (5 Tage lang können die frisch geschlüpften Läuse sich nicht fortbewegen schreibt der Verein dazu).

Hat man daher den ersten Läusebefall komplett und sicher durch millimetergenaues Auskämmen der nassen Haare (Shampoo, Weichspülung und Wasser lähmen die Läuse, sie lassen sich mit Weichspülung im Haar am besten auskämmen heißt es dazu auf den Vereinsseiten) entfernt, kann das Kind frühestens nach 5 Tagen wieder frisch geschlüpfte Läuse übertragen.

Wer daher alle drei Tage über eine Periode von 13 Tagen SORGFÄLTIG Läuse kämmt, kann nach Adam Riese weder Läuse übertragen, noch können sich die Läuse auf dem eigenen Kopf weiter ausbreiten.

Und nach gut zwei Wochen ist der Spuk dann automatisch vorbei. Vorausgesetzt man kämmt fleißig mit dem Läusekamm und lässt keine Strähne aus.

Ja und was ist mit den ganzen Läuseshampoos aus der Apotheke? Und mit dem Läusespray für Autositze, Kopfkissen etc. und Läusewaschmittel?

Ich habe eine Umfrage im Bekanntenkreis gemacht und festgestellt, dass viele Familien chemische Läuseshampoos angewendet haben und dann nicht mehr so genau mit dem Läusekamm arbeiteten, weil sie dachten, die Chemie würde ja auch das ihre tun. Tat sie aber nicht. Die Nissen überlebten zumindest zum Teil trotzdem und damit nahm die Läuseplage so lange kein Ende, bis sie doch zweimal die Woche genauestens alle Läuse herauskämmten.

• Meldepflicht. Je früher man Läusen entdeckt, desto leichter lassen sie sich entfernen, insofern ist die Meldepflicht sehr sinnvoll, damit alle anderen schnellstens bei den eigenen Kindern nachsehen und Maßnahmen ergreifen können. Man braucht auch ein Attest für die Schule nach Beseitigung der Läuse und muss somit auch zum Arzt gehen. Kinder-Ärzte reagieren recht unterschiedlich auf Läuse, wie wir am eigenen Leib und durch Bekannte erfahren konnten. Die einen schwören auf die chemischen Läusepräparate (sie kennen die Vereinsseite nicht!), die anderen rollen nur mit den Augen. Aber alle legen ihren Patienten das sehr genaue Auskämmen mit dem Läusekamm ans Herz.

Und es besteht kein Anlass sich über Läusebefall zu schämen, da herausgefunden wurde, dass Läuse frisch gewaschene Haare lieber mögen als dreckige. Aber auch die Vermutung: „Ach, Ihr habt nie Läuse? Da wascht Ihr wohl auch nie die Haare?“ stimmt so nicht. Ähnlich wie Mücken mögen Läuse das Blut mancher Menschen einfach lieber als das anderer. Das hat mit der Hygiene rein gar nichts zu tun.

Wirklich brauchen tut man aber nur einen guten Läusekamm. Am besten sind die verschiedenen großen Kämme im „Bug Buster Set“, den man in jeder Apotheke bestellen kann oder auf der Website des Vereins: www.pediculosis-gesellschaft.de/bugbusting

Die Website des Vereins bietet wirklich umfassende Informationen und lange Fragen-und-Antworten-Kataloge zu allen typischen Läusefragen.

11.Juli 2009 um 14:18 Baerbel

Artikel gespeichert unter: Gesundheit

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bisher 8 Kommentare

  • 1. Ulrike Bodmer  |  12.Juli 2009 at 21:34

    Liebe Bärbel Mohr,
    das ist in der Tat ein Thema, das die Köpfe aller Mütter reizt…
    Vielen Dank für diesen Beitrag.
    Was mich interessieren würde, ob ein etwas zu heißes Fönen nicht auch ausreicht? Bei 50°C, die man schnell erreicht, verglühen die armen Tierchen doch sicher noch bevor man die Haarwurzel schädigt. Eine Trockenhaube ist eher nicht ratsam. Da bekommt wahrscheinlich der Wirt (Mensch) noch vor der Laus einen Hitzschlag…

  • 2. Baerbel  |  13.Juli 2009 at 19:33

    Der Verein rät ab davon wegen der empfindlichen Kinderkopfhaut, die schneller leidet als die Laus. Mütter, die sich angesteckt haben, können das eher machen…. :) ))
    LG
    Baerbel

  • 3. Sylvia  |  04.August 2009 at 12:40

    Hallo

    Zum Vorbeugen habe ich meinen Kinder immer wenn Kopfläuse in den Klassen waren, Teebaumöl rundum ein wenig eingerieben. Bis dann unser Sohn mal meinte lass das, dass ist nicht mein Thema.
    Da war er 8 Jahre ;-) ) !!

    lG

    Sylvia

  • 4. Silja  |  13.August 2009 at 11:19

    Liebe Bärbel Mohr, liebe Leser,
    auf diesen Seiten lese ich immer wieder gerne, um mich inspirieren zu lassen.
    Nun kann ich zu diesem Thema auch mal etwas beisteuern.
    Als Mutter von drei Kindern, kam ich das erstemal mit den kleinen Blutsaugern in Berührung als meine jüngste Tochter, die kontaktfreudigste von den dreien, im Kindergarten war.
    Die Mittel aus der Apotheke hatten wegen ihrer Chlor-Allergie nur noch schlimmeres Jucken und fiese Schuppenbildung zur Folge, die Läuse schienen sich ,wenn überhaupt, nur tot zu lachen.
    Das was dann wirklich half ,war Niemölshampoo (bzw. Neemölshampoo).
    Sicherheitshalber sind wir außerdem alle ein mal (zweimal wäre vielleicht besser) in die Sauna gegangen.
    Und ein weiterer guter Tipp zur Vorbeugung nicht nur gegen Läuse auch gegen Mückenstiche ist die regelmäßige Verwendung von Knoblauch als Gewürz. (Nicht umsonst heißt es, dass Knoblauch gegen Vampire -also Blutsauger- hilft.!)

    Mit diesen drei natürlichen Methoden bleiben wir jetzt immer ganz gelassen und haben seitdem kein Lausproblem, vor allem auch kein Panikproblem mehr.

    Viele Grüße
    Silja

  • 5. Petra Michels  |  02.November 2009 at 14:47

    Das ist ja wirklich ein großes Problem. Die natürlichen Methoden sind wirklich die Beste. Ich kann das auch aus eigener Erfahrung sagen!

  • 6. Sandra  |  28.Januar 2010 at 13:32

    Hallo,

    ich lese immer nur davon,dass nur Kleinkinder betroffen sind.
    Das stimmt auf gar keinen Fall.
    Seit Jahren bringt mein Sohn im Teenageralter immer wieder Läuse von einem Freund mit- der behandelt sich zwar mit Goldgeist- das wars aber auch schon.
    Ich denke nicht,dass er sich jeden Tag kämmt und außerdem riecht er immer ungeduscht und hat strähnige lange Haare.
    Ich habe es so satt, weil ich die ganze Arbeit habe-Betten täglich waschen-Pullover-und die ganze Prozedur.

    Hat es schon mal jemand mit einem elektronischen Läusekamm probiert?
    Viele Früsse

  • 7. Vera  |  19.Mai 2011 at 21:18

    nein,aber das”Bug Buster System” ist eine super Sache! Man kann alle Läuse ohne Mühe rauskämmen!

  • 8. Miriam  |  24.Juli 2012 at 22:25

    Super Tipps! Gut zusammen gefasst.
    Habe selber auch schon den Test gemacht: Chemie hat außer kaputten Haaren und Kosten nichts gebracht. Mit dem Kämmen war ich erfolgreich und ich bin so froh, dass die ganzen Kissen und Bettbezüge nicht gewaschen werden müssen. Somit ist das Ganze kein großes Ding mehr.



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